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Wenn alles Hand und Fuß hat, dann muss das Ergebnis überraschen. Die Menschen werden immer größer, nicht aber ihre Füße. Häufigste Schuhgrößen sind bei Frauen unverändert 38 und 39, bei Männern ist es die 42. Auffällig hingegen ist die Zunahme bei Volumen und Breite, erläutert Dr. Monika Richter, Studienleiterin vom Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens.
Die Deutschen sind in den vergangenen Jahren größer und fülliger geworden. Während die Kleidergrößen immer wieder angepasst wurden, zuletzt 2009, beruhen die Schuhmaße auf mehr als vier Jahrzehnte alten Daten. Um heute alle Füße richtig versorgen zu können, müsste jede Schuhgröße in 17 unterschiedlichen Weiten angeboten werden, ermittelte Monika Richter. Ein Angebot, das Industrie und Handel nicht leisten können. "Schon sechs Weiten in jeder Schuhgröße könnten 80 Prozent der Erwachsenen passend versorgen", regt die Wissenschaftlerin an, "wobei ja nicht jedes Modell in allen Weiten angeboten werden muss."
Viele Käufer wissen nicht, dass sich die Schuhgröße nur auf die Länge, nicht aber auf die Breite bezieht. Sitzt der Schuh bei der Anprobe nicht, wird er einfach eine (Längen-) Nummer kleiner oder größer gekauft. Beides tut dem Fuß nicht gut und führt zu Fehlbelastung und schließlich schmerzhafter Deformation von Zehen und Gelenken. Oft erwachsen daraus Folgeschäden wie Hallux valgus und der Spreizfuß. Zahlreiche Formen von Rücken- und Kopfschmerzen haben in falschem Schuhwerk ihre Ursache. In Schuhen, die zu klein sind, kann der Fuß nicht richtig abrollen, zu große Schuhe lassen den Fuß mit jedem Schritt nach vorne und hinten rutschen.
"Mode geht oft vor Design und lässt orthopädische Gesichtspunkte außer acht", moniert der Orthopäde und Fußexperte Norbert Becker von der Universität Tübingen. "Dabei sind Füße so unterschiedlich wie Gesichter. Jeder Fuß hat seine individuelle Länge, Breite, Höhe, Gestalt und Form."
Wie wird denn nun ein passender Schuh daraus? Eine Faustregel schützt vor größten Fehlkäufen: Da die Füße gegen Abend dicker sind als morgens, sollte man Lederschuhe, die tagsüber getragen werden, nachmittags kaufen. "Kauft man sie morgens, könnten sie abends zu eng sein. Kauft man sie abends, könnten sie morgens zu weit sein", warnt Becker. Abendschuhe hingegen kauft man am besten abends.
Vor den Zehen muss genügend Platz zum Abrollen sein, aber nicht zuviel. "Zehn Millimeter sind ideal", rät Fußexperte Becker. An Ballen und Ferse muss der Schuh fest sitzen. "Ein passender Schuh hält den Fuß vor allem an der breitesten Stelle fest, im Ballenbereich. Da darf er nicht drücken."
Maßgefertigte Schuhe sind für die meisten unerschwinglich. "Die Passformanalyse, wie sie viele Schuhfachgeschäfte vornehmen, hilft weiter", rät Claudia Schulz, Sprecherin des Deutschen Schuhinstituts. Fachgeschäfte, vor allem solche, die sich mit Fußproblemen beschäftigen und Komfort- und Funktionsschuhe anbieten, unterstützen mit Fuß- und Ganganalysen die orthopädisch sinnvolle Schuhwahl. Einzelne Internet-Anbieter bieten mit ihrem individuellen Maßservice ebenfalls sinnvolle Hilfe. bär
Ratgeber: Wie finde ich meinen passenden Schuh? Initiative passender Schuh, 104 S., 9.80 Euro
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